90- 60- 90 oder: die unendliche Debatte über das richtige Gewicht

Es ist mittlerweile ein alter Hut, doch wegen seiner immer noch höchst aktuellen gesellschafltichen Brisanz immer noch ein heißes Eisen: die Diskussion über die richtigen Maße, Magersucht und Übergewicht, das Hunger- Diktat durch Werbung und Medien und die Ansprüche des Fitness- Wahns. Was dick oder dünn ist, darüber lässt sich streiten. Wo Fettleibigkeit, also das Krankheitsbild Adipositas anfängt, das ist allerdings medizinisch festgelegt. Für unsere Gesellschaft reichen Festlegungen durch den BMI und Einteilung verschiedener Arten von Über- und Untergewicht aber nicht, Diskussionen über den von der Werbe- und Modewelt kolportierten Schlankheitswahn einerseits und über die zunehmende Verbreitung von Übergewicht andererseits, wollen und wollen einfach nicht abreißen.

Die berühmte „Goldene Mitte“

Nach der Auffassung des Durchschnittsbürgers ist das ideale Gewicht oder das ideale Maß, wie man es nehmen will, der goldene Mittelweg zwischen „zu dünn“ und „zu dick“. Einfach gesund halt, so beschreiben viele ihr Ideal vom menschlichen Körper. Ein vernünftiges Schönheitsideal, das ist es, was viele mittlerweile fordern. Vor allem seit dem Vormarsch von Gesundheits- und Wellnessthemen ist dieses Thema immer aktueller geworden. Gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und eine gesunde Einstellung zum eigenen Körper, das ist in weit reichenden Teilen der Gesellschaft zum Standard geworden.
Entrüstung über unrealistische Ideale die uns aus der Flimmerkiste entgegenstrahlen oder von den Laufstegen der Modemetropolen hinablächeln, ist keine Seltenheit mehr. Viele fordern auch eine viel stärkere gesetzliche Regulierung der hier verbreiteten Schönheitsideale, zum Beispiel durch Verbote von bildbearbeiteten Werbekampagnen, die uns Models vorführen, die dermaßen stark durch die Retusche gewandert sind, dass sie keinem realistischen Menschen mehr gleichen können. Fälle wie die starke Bräune der H&M- Models der letzten Sommerkampagne rufen einiges an medialer Aufmerksamkeit hervor und bleiben nicht mehr unkommentiert. Die Idealisierung eines ungesunden Maßes von Sonnenbaden und Hautbräunung wurde hier in Anbetracht von Hautkrebs und höchst gefährliche Solarium- Sucht vor allem vieler Jugendlicher, nicht mehr akzeptiert. Die allgemeine Entrüstung war groß und der Textilriese entschuldigte sich sogar für die Kampagne.
Das Beispiel zeigt, dass viele Menschen auf die gefährliche Wirkung von unrealistischen Schönheitsidealen sensibilisiert und nicht mehr bereit sind, sich diese diktieren zu lassen.

Vorurteile gegenüber Dicker

Dick sein war entgegen des weitläufigen Irrglaubens vieler Menschen nur zu wenigen Epochen der Menschheitsgeschichte ein Schönheitsideal. Gerade in vorzeitlichen Epochen oder im Barock galten Speckrollen und übermäßige Rundungen als begehrenswert. Ansonsten war es für Dicke zu keiner Zeit leicht, dick zu sein. Auch heute grassieren noch viele Vorurteile und Verallgemeinerungen gegenüber den „Gut gebauten“. Die undifferenzierte Betrachtung des Themas ist für viele Betroffene besonders unangenehm. Zum Beispiel jene die an Fettleibigkeit in Folge einer Erkrankung leiden, sind Verallgemeinerungen von Dicken, die ja eh „selbst Schuld sind“ und sich „nur nicht zügeln können“, eine schlimme Sache. Hier sollten sich auch alle normal- gewichtigen an der Nase nehmen, um das Ideal des gesunden Wohlfühlgewichts fernab von Schuldzuweisungen zu fördern.

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